Endlich schmerzfrei: Ein Abschied vom Morbus Perthes und ein technisches Meisterwerk in Damp

Es ist ein seltsames Gefühl, wenn ein Schmerz, der einen fast das ganze Leben begleitet hat, plötzlich weg ist. Einfach weg. Aber fangen wir von vorne an, denn meine Reise zu meiner neuen Hüfte (Endoprothese / TEP) begann eigentlich schon, als ich vier Jahre alt war.
Ein Leben mit Morbus Perthes
Schon vor dem Kindergartenalter wurde bei mir Morbus Perthes diagnostiziert. Das bedeutete, dass mein Hüftkopf nicht richtig durchblutet wurde und abstarb. Das Ergebnis war eine völlig deformierte Hüfte, mit der ich aufgewachsen bin. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich mit diesem Gelenk bis zu meinem 51. Lebensjahr durchhalten würde, hätten die meisten Ärzte wahrscheinlich ungläubig den Kopf geschüttelt.
Aber der menschliche Körper ist ein Wunderwerk der Anpassung. 47 Jahre lang hat meine Hüfte mich getragen, mal besser, mal schlechter.
Die Strategie des Hinauszögerns: Warum warten?
Bereits vor 10 Jahren stand ich an dem Punkt, an dem die Ärzte sagten: „Es ist soweit, Sie brauchen eine neue Hüfte.“ Die Schmerzen waren da, die Arthrose war fortgeschritten. Doch ich war Anfang 40.
Warum habe ich nicht sofort „Ja“ gesagt? Die Entscheidung für eine künstliche Hüfte (Totalendoprothese, kurz TEP) ist keine, die man leichtfertig trifft. Mein Ziel war es immer, die OP so lange hinauszuzögern, dass die erste künstliche Hüfte idealerweise bis zu meinem Lebensende hält – oder höchstens die Verschleißteile (wie das Inlay) einmal getauscht werden müssen, ohne dass der im Knochen verankerte Schaft gewechselt werden muss.
Also habe ich gekämpft. Ich habe das Fahrradfahren intensiviert. Die Muskulatur, die ich dadurch aufgebaut habe, hat das kaputte Gelenk stabilisiert. So konnte ich tatsächlich noch ein ganzes Jahrzehnt rausholen.
Ein Vabanquespiel: Der Alpencross mit kaputter Hüfte
Ob es immer vernünftig war? Wahrscheinlich nicht. Aber ich wollte mir beweisen, dass ich mich von der Hüftgelekarthrose nicht unterkriegen lasse. 2023 stand noch ein Punkt auf meiner „Bucket List“: Ein Alpencross mit dem Gravelbike.
Mit einer völlig deformierten, arthrotischen Hüfte über die Alpen zu fahren, klingt verrückt. Die Schmerzen waren teils brutal, aber der Wille war stärker. Ob das medizinisch schlau war, steht auf einem anderen Blatt, aber für meinen Kopf war es wichtig. Ich habe es geschafft. Es war mein persönlicher Abschiedsgruß an mein altes Gelenk.
Die Operation: Ein Blick in den Maschinenraum
Ende 2025 war es dann soweit. Meine Wahl fiel auf die VITREA Ostseeklinik Damp (ehemals VAMED / Damp 2000). Und wenn ich mir meinen OP-Bericht heute ansehe, weiß ich, dass ich dort in den Händen absoluter Profis war. Denn das war keine „Standard-Hüfte“.
Der Bericht liest sich wie ein handwerklicher Krimi. Die Diagnose lautete: Fortgeschrittene sekundäre Koxarthrose bei Dysplasie und Z. n. Perthes. Auf Deutsch: Mein Gelenk war nicht nur verschlissen, es war durch die Kinderkrankheit auch völlig falsch geformt.
Was die Operateure vorgefunden haben:
- Massive Verformungen: Der Hüftkopf war „komplett entrundet und abgeplattet“, dazu riesige „Osteophyten“ (Knochenwucherungen), die sich über die Jahre gebildet hatten.
- Verkürzte Muskeln: Ein wichtiger Muskel für die Hüftdrehung, der Piriformis, war „komplett verkürzt und teilweise atroph“ (geschrumpft). Er musste während der OP durchtrennt werden, damit das neue Gelenk überhaupt bewegt werden kann.
Trotz dieser extremen Ausgangslage dauerte die OP deutlich weniger als 2 Stunden. Über einen nur ca. 12 cm langen Schnitt wurde mein altes, deformiertes Gelenk entfernt. Es ist faszinierend: Da der Knochenkanal in meinem Oberschenkel sehr eng („zugewachsen“) war, mussten die Chirurgen extrem präzise arbeiten, um den Knochen nicht zu spalten.
Das Hightech-Material in meinem Körper: Eingebaut wurde eine Wagner Conus Prothese (Größe 19) aus Titan, die speziell für solche schwierigen Knochenverhältnisse gemacht ist. Dazu kam eine Allofit IT Pfanne von Zimmer und ein 36mm Keramikkopf. Diese Kombination aus Keramik und modernem Kunststoff (Inlay) verspricht extrem lange Haltbarkeit.
Warum ich jetzt noch Schmerzen habe (und warum das gut ist)
Das Wichtigste zuerst: Der Arthrose-Schmerz ist weg. Dieser tiefe, mahlende Schmerz ist Geschichte.
Aber ich bin nicht schmerzfrei, und ein Blick in den OP-Bericht erklärt auch, warum das so sein muss. Vor der OP hatte ich eine Beinverkürzung von fast 5 cm. Mein Körper hatte sich über Jahrzehnte schiefgezogen. Durch die OP konnten die Ärzte das Defizit auf ca. 1 cm reduzieren. Das bedeutet, mein Bein wurde in einer einzigen Sitzung um mehr als 3 Zentimeter verlängert!
Das ist purer Stress für meine Muskeln, Sehnen und Bänder. Sie werden jetzt auf eine Länge gedehnt, die sie seit Jahren nicht mehr kannten. Das zieht und schmerzt ordentlich, ist aber ein „produktiver Schmerz“. Der Körper muss sich erst an die neue Statik gewöhnen.
Die Reha und der Blick nach vorn
Aktuell heißt es für mich: Geduld. Ich darf das Bein mit 20 kg teilbelasten und nehme brav mein Ibuprofen (nicht nur gegen Schmerzen, sondern als „Ossifikationsprophylaxe“, damit der Knochen nicht wild wuchert).
Die Expertise in Damp ist beeindruckend. Die hohe Fallzahl dort sorgt für eine Routine, die man als Patient spürt. Dass sie bei meiner „Trümmer-Hüfte“ und den vernarbten Verhältnissen so ein stabiles Ergebnis hinbekommen haben, ist für mich ein Geschenk der modernen Medizin.
Ich freue mich riesig auf den Sommer. Wenn die Muskeln sich an die neue Länge gewöhnt haben, werde ich wieder auf dem Gravelbike sitzen. Diesmal ohne Schmerzen, mit zwei fast gleich langen Beinen und einer Hüfte, die hoffentlich den Rest meines Lebens hält.
Das Warten und die Schmerzen haben sich gelohnt.



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