Wie Balda das Vertrauen der Anleger verspielte

Im August schien die Welt bei Balda noch in Ordnung zu sein. Das iPhone (für das Balda die Touchsreens hestellt) verkaufte sich gut, es wurde ein neuer Großauftrag für Touchscreens an Land gezogen und bekannte Finanzinvestoren wie Guy Wyser-Pratte kauften sich zunehmend ein.
Ab September zeichneten sich dann erste Probleme ab. Das Traditionsgeschäft mit Handyschalen lief so defizität, dass es Balda zunehmend in Finanznöte brachte. Vorstandscheff Joachim Gut verkündete jedoch einen Käufer zu suchen und sich zukünftig mehr auf die anderen Bereiche zu konzentrieren. Er bestritt des weiteren wehement, dass die finanziellen Belastungen aus der Handyschalenproduktion für Balda ein Problem darstellten.
Am 31. Oktober 2007 gab Balda plötzlich bekannt, Wandelgenusscheine mit einem Nennbetrag von 34,2 Millionen Euro privat platziert zu haben. Laut Vorstand wurde das Geld für einen Ausbau der Produktion in Asien benötigt, der durch den neuen Großauftrag nötig geworden ist.
Nicht mal einen Monat später, am 29. November 2007 kündigte Balda eine Kapitalerhöhung um bis zu 6.769.584 Aktien an. Die Bezugsfrist lief vom 3. bis zum 17. Dezember 2007 und das Bezugsverhältnis war 7:1. Die festlegung des Bezugspreises erfolgte am 10. Dezember 2007. Er betrug 10 Euro. Somit konnte Balda über weitere 68 Millionen Euro verfügen. Bei bekanntgabe der Kapitalerhöhung war der Kurs von Balda bereits deutlich eingebrochen. Er erholte sich jedoch wieder, weil die bekannten Finanzinvestoren sich beeilten zu versichern, dass Sie beabsichtigten die Kapitalerhöhung voll warzunehem. Sie zeigten sich jedoch von dem Vorgehen der Geschäftsleitung überrascht.
Am 19. Dezember 2007 kündigte Balda an, einen Käufer für die Handyschalenproduktion gefunden zu haben. Es hieß weiterhin, der Verkauf solle noch bis zum Ende des Jahres mit Wirkung zum 31.12.2008 abgewickelt werden. Dadurch solle erreicht werden, dass alle Verluste der Handyschalenproduktion noch in der Bilanz des Jahres 2007 enthalten sind. Ab dem Jahr 2008 sollte es keine weiteren Belastungen aus diesem Bereicht mehr geben. Darüber hinaus versicherte die Geschäftsleitung, dass die Gesamtsumme der Belastungen nur im oberen, einstelligen Millionenbereich liege.
Danach bewegte sich der Kurs der Balda-Aktie nur noch in Richtung Süden. Dies kam durch andauernde Berichte, dass der Verkauf der Handyschalenproduktion für Balda teurer als erwartet wird und das es Unregelmäßigkeiten gibt. Der Vorstandschef Joachim Gut bestritt diese jedoch immer wieder entschieden. Er sprach sogar von Rufmord und geziehlten Gerüchten. Bis Anfang Februar kündigte er immer noch einen Gewinn für 2008 an. Er behauptete das Ergebnis vor Steuern (EBT) werde bei 24 Millionen Euro liegen und der Umsatz bei 414 Millionen Euro. Des weiteren sagt er den Medien:

Dass Balda die Verluste seiner ehemaligen Tochtergesellschaften tragen muss, steht außer Frage. … Für das Jahr 2007 werden sich die Belastungen in einem kleinen zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Anfang März wird bekannt, dass Balda den Verkauf der Handyschalenproduktion rückabwickelt. Zusätzlich wird bekannt, das Balda die dort angefallenen Schulden nicht mit der bestehenden Liquidität tragen kann. Nach eigenen Angaben summierte sich die Belastung auf 30 bis 40 Millionen Euro. Es müssen neue Geldgeber gesucht werden und es muss mit den Banken verhandelt werden. Der Investor Guy Wyser-Pratte trennte sich am 17. März 2008 mit hohen Verlusten von seinen Anteilen.
Nach dieser Misere ist der Aktienkurs von Balda auf etwas über 2 EUR gefallen. Da das Management von Balda jegliches Vertrauen der Aktionäre verspielt hat, ist mit keiner Erholung des Kurses zu rechnen.

Balda-Chart 2008

Quellen