Massive Probleme beim Microsoft Januar Patchday

Diese Woche hatte ich massive Probleme nach dem Microsoft Januar Patchday am 11.01.2022. Die ausgelieferten Sicherheitsupdates haben auf den von mir betreuten Windowsservern einen Katastrophalen Schaden angerichtet. Dies scheint auch nicht nur mir so gegangen zu sein. Es gibt im Netz zahlreiche Berichte von anderen betroffenen und Günter Born hat einen Artikel bei Heise dazu geschrieben: Sicherheitsupdates vom Januar 2022 mit massiven Kollateralschäden in Windows. Gerade Installationen auf der Basis von Windows 2012R2 sind umfänglich betroffen.

Insbesondere von der Installation des Update KB5009624 auf Domain Controllern sollte man aktuell absehen. Es hat alle von mir betreuten Domain Controller in einee Boot-Loop (Boot-Schleife) geschickt und damit das gesamte Windowsnetzwerk lahmgelegt. Grund scheint ein Fehler im Modul lsass.exe zu sein. Auch darüber findet man weitere Details im Blog von Günter Born im Artikel Windows Server: Januar 2022-Sicherheitsupdates verursachen Boot-Schleife.

Nach der Deinstallation des Update KB5009624 auf den Domain Controllern funktionierten diese prinzipiell wieder, allerdings war einer der Domain Controller so beschädigt, dass er nicht mehr richtig funktionierte und sich auch standhaft weigerte mit den anderen zu replizieren. Alle Versuche diesen wieder zu reparieren blieben erfolglos. Erst als dieser von Hand gelöscht und komplett neu aufgesetzt wurde, nahm er wieder fehlerfrei seine Arbeit auf.

Nachdem alle Domain Controllern wieder einwandfrei arbeiteten, lief das Windowsnetzwerk prinzipiell wieder. Es gab aber haufenweise weitere Probleme im Windowsnetzwerk. Das gesamte IT Team war zwei Tage lang damit beschäftigt die Folgeprobelme und andere Fehlfunktionen des Microsoft Patchday zu lösen. Neben dem Boot-Loop auf Domain Controller traten bei uns auch noch folgenden Kollateralschäden durch den Microsoft Januar Patchday auf:

  • Nach dem Einspielen von KB5009624 und KB5009595 startete Hyper-V auf Windows 2012R2 nicht mehr. Informationen dazu findet man bei Microsoft im Artikel Virtual machines (VMs) in Hyper-V might fail to start
  • Nach dem ein Einspielen von KB5009624 auf den Windows 2012R2 Exchange Servern funktioniert ReFS nicht mehr. Sobald das Update deinstalliert wurde funktioniert dies zwar wieder. Mit Pech kann die Exchangeinstallation aber so beschädigt sein, dass man die Datensicherung zurückspielen muss.
  • Nach dem Einspielen der Updates funktionierte ein Cluster mit Windows 2012R2 Terminalservern nicht mehr. Selbst eine Deinstallation aller Updates und die anschließend komplette Neueinrichtung der Rollen konnte den Cluster nicht wieder richtig reparieren. Es gab andauernde nicht zu erklärende Fehlfunktionen. Deshalb wurde der Cluster von uns aufgegeben und die User auf einen neuen Cluster mit Windows 2019 Terminalservern migriert.

Ich habe Verständnis dafür, dass Hersteller wie Microsoft heute Sicherheitslücken sehr schnell schließen müssen, um die daraus resultierenden Gefahren für die Kunden schnell abzustellen. Ich finde die Informationspolitik zu den durch das Update verursachten Problemen von Microsoft jedoch völlig unzureichend. Warum gibt es nach wie vor keine offizielle Stellungnahme mit einer Auflistung der Probleme? Warum wurde auch drei Tage nach dem Erscheinen der Updates und den vielen Berichten über die Probleme die Update bis jetzt nur halbherzig zurückgezogen? Diese werden zwar aktuell nicht mehr automatisch ausgeliefert. Sie lassen sich im aber immer noch finden und ohne Warnung installieren. Siehe auch hier die Zusammenfassung von Günter Born Microsoft Patchday-Probleme Jan. 2022: Bugs bestätigt, Updates zurückgezogen?

Bis jetzt scheint es nur im Blog von Günter Born vernünftige Erklärungen, Zusammenfassungen und den aktuellsten Stand zu den massiven Problemen mit den Sicherheitsupdates des Microsoft Patchday vom 11.02.2022 zu geben. Vielen Dank von meiner Seite für diese gute Arbeit! Und der Weltkonzern Microsoft sollte sich fragen, warum das eigene Security Team so etwas nicht geschafft hat.

Sicherheitslücke Log4Shell CVE-2021-44228

Vor einer Woche hat das BSI zum ersten mal die Warnstufe Rot ausgerufen. Durch die Sicherheitslücke Log4Shell CVE-2021-44228 im weit verbreiteten Framework Log4J sind potenziell fast alle Java-Anwendungen angreifbar. Log4J ist der De-facto-Standard für das Loggen von Java-Anwendungen. Deshalb sind weltweit sehr viele Anwendungen betroffen.

Für mich bedeutete die Sicherheitslücke jetzt erst mal eine anstrengende Arbeitswoche. Es galt alle Java-Anwendungen zu identifizieren, für die ich verantwortlich bin und das ist eine große Menge. Danach musste ich rausfinden, ob die entsprechende Anwendung tatsächlich Log4J verwendet. Und zu guter letzt musste ein Update eingespielt werden, sofern dies der Fall war.

Inzwischen habe ich alle Anwendungen überprüft und kann beruhigt Weihnachten feiern. Dazu bin ich wie folgt vorgegangen.

Wie findet man raus, ob eine Software betroffen ist?

Informationen des Herstellers

Informationen des Herstellers oder Programmierers sind natürlich der einfachste und beste Weg, um die Anfälligkeit eines Programms für diese Sicherheitslücke zu überprüfen. Ich persönlich habe bei betroffenen Anwendungen die folgenden Webseiten der Hersteller dazu genutzt:

Liste der Betroffenen Anwendungen auf GitHub

Sollte man bei Hersteller oder Programmierer solche Informationen nicht direkt finden, gibt es eine weitere Möglichkeiten, um diese zu feinden. Der französische Sicherheitsspezialist SwitHak pflegt bei GitHub eine Liste mit Aussagen der Hersteller die betroffen sind. Sofern eigene Anwendungen auf dieser Liste aufgeführt sind kommt man über einen Link zu den jeweiligen Informationen.

log4j-detector

MergeBase hat auf gitlab das Programm log4j-detector veröffentlicht, mit dessen Hilfe man nach verwundbaren Versionen von Log4J innerhalb von Java-Anwendungen suchen kann. Wenn man dieses auf dem Server mit einer Anwendung laufen lässt, durchsucht es alle Java Classen und meldet einem, wenn es dort eine verwundbare Version von Log4J findet.

Netzwerkscann

Eine weitere Möglichkeit für das aufspüren von verwundbaren Log4J Lücken ist das Scannen der Serverdienste über das Netzwerk mittels eines Vulnerability Scanners. Einer der bekanntesten Vulnerability Scanners ist OpenVAS von Greenbone, welchen ich für diesen Scann verwendet habe. Wie man dem Forumsbeitrag Testing for CVE-2021-44228 (Log4j/Log4Shell vulnerability) entnehmen kann, kann diese die Log4J Lücke auch bereits finden.

Um OpenVAS von Greenbone zum scanne zu verwenden, habe ich mir diesen schnell auf einer virtuellen Maschine mit Kali Linux installiert. Wie dies geht schildert der Blogbeitrag OpenVAS on Kali GNU/Linux Part 1: How to install OpenVAS von Staf Wagemakers.